90 Jahre Frauenwahlrecht - Ausstellung in der Sparkasse Neckartal-Odenwald

20.04.2010

 

Nur noch 480 Jahre bis zur Gleichstellung

Ausstellung „90 Jahre Frauenwahlrecht“ in der Sparkasse eröffnet –
„Kein Ruhekissen“ sondern Ansporn

von Peter Lahr

 

Mosbach. „Als Einzelne wirkt die Frau wie eine Blume im Parlament, aber in der Masse wie Unkraut.“ Mit diesem Zitat des einstigen bayerischen Landtagspräsidenten Michael Horlacher aus den späten 1940er Jahren machte Sparkassen-Abteilungsleiter Clemens Throm am Dienstagabend deutlich, wie lange es brauchte, bis das Frauenwahlrecht von der Verfassung bis in die Köpfe mancher Menschen vordrang.

„Die Hälfte der Welt – 90 Jahre Frauenwahlrecht – Starke Frauen in der Geschichte“ heißt die Ausstellung, die das Bildungswerk St. Josef Mosbach sowie 14 Schülerinnen der Klassen 7 und 8 der Müller-Guttenbrunn-Schule schufen.

 

Und heute? „Heute hat Deutschland eine Bundeskanzlerin, sieben von 16 Kabinettsmitgliedern sind weiblich. Ein Drittel der Bundestagsabgeordneten ist weiblich“, wusste Throm. Den Schülerinnen dankte er besonders, die im Rahmen einer Projektarbeit bei Roswitha Scherer-Gehrig (Religion) und Kirsten Russell (Kunst) ihre Gedanken, Fantasien und Empfindungen in Form beeindruckender Collagen zum Ausdruck brachten.

Dass zum Thema „Frauenwahlrecht“ hauptsächlich Männer sprachen, fand Bürgermeister Michael Keilbach „interessant und ungewöhnlich“, vermutete dahinter aber einen Teil des als gut empfundenen Konzepts. Auch wenn das veraltete Rollenbild von der Frau am Herd heutzutage nicht mehr durchführbar sei, so machten berufstätige Mütter tagtäglich einen Spagat zwischen Haushalt, Kindern und Job. Als wenig zukunftstaugliche Unterlassung sah Keilbach es an, das „riesige Potential an Frauenpower“ nicht zu nutzen.

 

Auf die Vorgeschichte der Ausstellung ging Ulrich Neubert, Leiter des Bildungszentrums Mosbach, ein. Dass es sich bei Adam und Eva nicht um zwei Vornamen handelte, erläuterte der Theologe: Adam heiße „Mensch“ und Eva „Leben“. Logische Schlussfolgerung: „Damit Leben eine Chance hat, braucht es gleichberechtigt Männer und Frauen. Im Spiel von freien Kräften muss ich den Anderen achten, meine Vorurteile beiseite stellen.“ Die Ausstellung, die auch Biographien von „starken Frauen“ präsentiert solle den Frauen Mut machen, die Hälfte der Welt einzufordern. „90 Jahre Frauenwahlrecht sind kein Ruhekissen, auf dem man es sich bequem macht.“ Neubert dankte den Schülerinnen dafür, dass sie das Thema wieder ins Gespräch brächten. Wie einige weitere Plakate zeigten, benötige es noch ein paar Jährchen – 480 um genau zu sein – bis die Gleichberechtigung komplett realisiert sei.

„Frauenpower“ prägte den künstlerischen Rahmen der Vernissage. Charlotte und Christine Gnielka begeisterten als harmonisches Gitarrenduo. „Solo-MOSkito“ Roswitha Scherer-Gehrig warnte die Männer humorvoll davor, sich an Adam ein Beispiel zu nehmen: „Wer denkt, er kann uns die Wüste überlassen, kann sich schon einmal als Kamel sehen.“

 

Foto rechts:

Königin Mathilde trifft auf die Queen. Maria Magdalena auf die Rapperin Lil’ Kim. Ihre eigenen Gedanken zu starken Frauen einst und heute machten sich 14 Schülerinnen der Müller-Guttenbrunn-Schule. Zu sehen sind die collagierten Ergebnisse in der Mosbacher Sparkasse. 

Foto: Peter Lahr

 

Quelle:

Stadtanzeiger Mosbach, Nr. 17, vom 29.04.2010